Guten Morgen, den Herrschaften. Wünsche wohl geruht zu haben. Wie geht's denn heute? Nun wäre es recht nett, wenn Sie sich ein wenig vor die Tür bemühen würden, denn der Salon wird gefegt". So oder
ähnlich begrüße ich manchmal die Mini-Affenfamilie von und zu Prömmelmeier {mini, weil ohne Kind und Kegel), vom erlauchten Geschlecht der Anubis-Paviane, wenn ich deren "Gute Stube" betrete. Herr Prömmelmeier, da bin ich sicher, versteht ganz genau, was ich meine, denn meist begibt er sich tatsächlich
ohne Mucken und unverzüglich hinaus, hockt in der Luke zwischen Innen- und Außengehege, verschränkt die
Arme, als wolle er mir in bequemster Stellung bei der Arbeit zusehen. Das tut er denn auch mit offensichtlichem Interesse, das seine Mine und die hellwachen Äuglein widerspiegeln. Dabei gibt er seinen
fachmännischen Kommentar in Form wohlwollender Grunzlaute dazu ab, derweil Bubba, seine junge Gattin, nicht ganz so folgsam über mir auf dem Brett hockt und mit ihr Hinterteil in allernächster Nähe präsentiert. Ich nehme an, auch diese etwas anrüchige Geste bedeutet Sympathie. Kommt sie mir allzu nahe, grapscht dabei auch nach mir, muß ich schon mal ein wenig schimpfen und ihr Göttergatte hat sie daraufhin mehr als
einmal rüde an Kopf- und Nackenfell gepackt und sehr unsanft eigenhändig unter ihrem schrillen Gekreisch und Gezeter vor die Tür (Luke) expediert.
Danke, Herr Prömmelmeier, aber ein wenig zärtlicher könntest du mit deiner Liebsten ja doch umgehen! Der
Zank ist jedoch bald vergessen, besonders, wenn es darum geht, gemeinsam etwas auszuhecken. Kurze Zeit später ist Bubba nämlich wieder nah bei mir. Sie sitzt ganz brav halbschräg auf dem unteren Brett und sieht mir nun ihrerseits bei meinem Tun zu. Die Körperhaltung ist völlig entspannt, fast gleichgültig der
Gesichtsausdruck. Ich ahne nichts, bemerke jedoch im Augenwinkel, wie sich Bubbas linker Arm, den ich
kaum sehen kann, im Zeitlupentempo an die auf dem Brett abgelegten Wischtücher herantastet, mich dabei L aus den Augen lassend. Plötzlich aber, in affenartiger Geschwindigkeit, hat sie sich ein Tuch gegriffen bringt es Prömmel, der es in kleine Fetzchen zerlegt, nachdem er zuvor noch so nebenbei den Eimer mit Wischwasser umgekippt hat. Das Ablenkungsmanöver ist voll gelungen. Bravo!
Unterdessen sitzt mir Prömmel fast vor den Füßen und betätigt sich emsig beim Wasser aufwischen. Die 'von ihm so handlich zubereiteten Tuchfetzen benutzt er dabei gar nicht so ungeschickt, wischt hin und her, wie er das wohl schon so oft beobachtet hat und schleudert sich die triefnassen Lumpen zuletzt vor Vergnügen und Stolz um Hals und Ohren. Vor Stolz deshalb, weil ich des Lobes voll bin über seine großartige Beobachtungsgabe und Leistung. Bubba ist allerdings derweil merkwürdig still, das läßt auf nichts Gutes 'schließen. Gerade sehe ich noch, wie sie den Handfeger zärtlich laust und Tage später werde ich dieses ehemalige Reinigungsgerät, seiner Bestimmung auf immer entzogen, seiner "Haarpracht" beraubt, zernagt und zerbissen in einer Ecke wiederfinden. Prömmelmeiers haben prachtvolle Zähne. Die beiden verfügen wahrhaftig über eine reichhaltige Palette von urwüchsigen und manchmal nicht ganz ungefährlichen Streichen, ob es sich dabei um sorgfältig aus der Wand gepuhlte Elektrokabel, Steinbrucharbeiten oder dem aus der Verankerung gerissenen Kletterbaum handelt, den Prömmels gehen die Ideen für geistige und körperliche Betätigung nicht aus. Rufe des Erstaunens, Entsetzens (z.B. wenn eine verirrte Ratte gefangen und massakriert wird) und Ärger unsererseits wechseln sich ab, Verblüffend bleibt dennoch, zu welch logischen Denkvorgängen Paviane fähig sind.
Manchmal hilft wohl auch nur ein "Urschrei", um Prömmels auf den Pfad der Tugend zurückzuführen, sie haben so manches drauf, womit man plötzlich konfrontiert werden kann. Wer kann sich Susannes Schrecken vorstellen, als ihr frühmorgens Herr Prömmelmeier sein grinsendes Gesicht durch ein Riesenloch in der Waschküche entgegenreckt und sich anschickt, diesem alle anderen Körperteile folgen zu lassen? Prömmels wohnen nebenan. Prömmel hat, fleißig assistiert von Bubba, in aufreibender Nachtschicht Mauerstein um Mauerstein aus der Wand gebrochen und da schaut er nun .... In der Waschküche gibt es schließlich eine, Menge Neuheiten zu entdecken, neben diversen Gegenständen und Geräten auch ein paar Hunde und wer weiß, was nicht noch so alles. Prömmels sind sehr aktiv, das muß man ihnen zugestehen. An einem regnerischen Tag, als ich in Prömmelmeiers Außengehege mühsam die Spuren der unbändigen Lebensfreude der beiden beseitigen wollte, schauten sie mir, wie so oft, von oben herab (wörtlich zu nehmen) zu und ich meinte, es käme eine neue Regendusche. Aber die Tropfen erschienen mir um einige Grad zu warm und in die Höhe schauend erkannt ich die Ursache der Merkwürdigkeit. Herr Prömmelmeier ließ seinen Bedürfnissen in einem warmen Strahl freien Lauf und wenn es eine Affentaufe geben sollte, dann gehöre ich seitdem sicher zur Gattung. Das würde mich nicht betrüben, denn liebenswertere, sensiblere und intelligentere Geschöpfe als Affen im allgemeinen und Prömmelmeiers im besonderen kann man sich kaum vorstellen. Ich habe gelernt, -diese Tiere zu achten und ernst zu nehmen. Die spürbar gegenseitige freundschaftliche Beziehung, die man mit dieser Einstellung aufbauen kann, hat mir immer wieder recht gegeben.
Nachtrag:
Die Prömmelmeiers haben inzwischen ein neues Zuhause gefunden. Wir hatten es alle nicht leicht, uns von
ihnen, die uns so ans Herz gewachsen waren, zu trennen, Sie sollen jedoch so leben dürfen, wie es sich für ihre Art gehört. Wir hoffen und wünschen, daß dieses Vorhaben voll und ganz gelingt.