Geboren im Krefelder Zoo, wurde er kurz danach an einen Wanderzirkus verkauft, in dem er fast fünf Jahre lang zur Belustigung der Zuschauer auf einem Pferd reiten mußte. Die restliche Zeit verbrachte er, angebunden an einer Eisenkette, zwischen Ziegenböcken. Nachdem er geschlechtsreif wurde, wollte der Zirkus das gequälte Tier wegen zunehmender Aggressivität nicht mehr behalten. Ein Tierversuchslabor war an seinem Erwerb sehr interessiert. Zum Glück entdeckte ihn Frau Dr. Siepe. Seit dieser Zeit brauchte der Affe nicht mehr zu frieren und sich nicht mehr aus der Mülltonne zu ernähren.
Der Wanderzirkus überwinterte in einer unbeheizten Fabrikhalle. Frau Dr. Siepe besorgte für ihn eine elektrische Heizung. Nachdem sie ihn freigekauft hatte, wußte sie nicht, wohin mit Prömmelmann. Sie besuchte private Affenhaltungen in Deutschland und kam immer wieder auf den Franziskushof zurück. Da wir mit Affen überbelegt waren, wiesen wir die Aufnahme zuerst von uns. Da die Finanzierung des Innenraumes und eines Außengeheges Frau Dr. Siepe übernahm, konnten wir ihn aufnehmen.
Mit der Aufnahme von Prömmelmann kam mehr auf uns zu, als wir vorher ahnen konnten. Die von Herrn Noth angebrachten Bretter, Kletterleinen und Leitern, der Sessel, alles das, was sein Leben verschönern sollte, hatte Prömmelein an einem halben Tag zu Kleinholz verarbeitet, wir sahen, wieviel Spaß ein Mantelpavian am Zerstören hat.
Aus der Erfahrung lernend, bekam er jetzt Legosteine, große harte Bälle, Gummi- Quietsch-Spielzeug, das machte er nicht kaputt. Er läßt nur mich in sein Innen- und Außenrevier. Schon während der Vorbereitungs-Phase zur Reinigung seines Raumes und Geheges schreit Prömmelein vor Freude. Da ihm doch jetzt kein Pferd mehr zur Verfügung steht, sitzt der Pavian in meinem Nacken und hält sich an meinem Haar fest. Um zu vermeiden, völlig kahlköpfig zu werden, war ich gezwungen, mir das Haar kurz schneiden zu lassen.
Prömmelmann's Flegelgehabe verleitet auch mich zum Spiel, wir werfen uns Bälle zu, springen in die Luft und spielen. Am meisten jedoch freut uns die Zankfreundschaft des Prömmelmännchens mit unserer Meerkatzen Äffin Hidigeigei. Durch das Gitter läßt sie es gnädig zu, gelaust zu werden, oder die beiden stehlen sich gegenseitig Obststücke. An heißen Sommertagen liegt man faul im Gehege herum oder man vertreibt sich die Zeit, indem man abstrakte Wandbilder aus Yoghurt mit Quark vermengt. Über das künstlerische Tun ist die Freude doppelt so groß, denn während ich die Wände reinige, klaut Prömmelmann hinter meinem Rücken alles, was nicht angenagelt ist: Den Schwamm versteckt er am höchsten Brett und freut sich, während ich klettere, um ihn wieder zu holen. Die nassen Lappen hängt das Paviänchen an den oberen Ast des Baumes, es tropft ja so schön auf meinen Kopf herunter. Oft zwickt er oder knabbert an meinen Waden, und wenn ich nicht schnell genug schimpfe, entsteht auch schon mal ein blauer Fleck. Aber das Größte in seinem Wunsch, unbedingt helfen zu wollen, ist , mir den Wassereimer umzuwerfen, um dann auf den Fliesen eine "Duo-Rutschpartie" zu veranstalten. Da wir kein Geld für den Umbau des geplanten Affenrefugiums haben, muß Prömmelmann mit einem kleineren Raum vorlieb nehmen. Das Reinigen des Raumes nimmt trotzdem täglich zwei Stunden in Anspruch, da der "Bewohner" mit seinem Affentheater für ständige Unterbrechung sorgt. Nach dem Saubermachen werde ich gründlich gelaust und ab und zu schläft er auch auf meinen Armen selig ein.
Da Prömmelmann über einen gesegneten Appetit verfügt, müssen wir für ihn 250 DM monatlich aufbringen. So wünschten wir uns für ihn Paten, die uns dabei helfen, seine kulinarischen Wünsche zu erfüllen. Da nur unser Kapuzineräffchen "Grete" einen Paten hat, sind für die anderen Affen auch noch Patenschaften zu vergeben.
Schließlich möchte ich noch einige Gedanken zu Affen in Gefangenschaft an Sie, liebe/r Leserin, weitergeben: Diese Tiere gehören nicht hinter Gitter. Man sollte sie in ihren geographischen Breitengraden, wo ihre natürliche Heimat ist, leben lassen. Um zu den Affenbabies zu gelangen, erschießen skrupellose Händler die ganze Gruppe der erwachsenen Tiere. Der größte Teil der geraubten Affenkinder stirbt schon während des Transports nicht nur vor Hunger und Durst, sondern meist an Liebes- und Zuwendungsentzug. Die Überlebenden landen in Zoo¬ Geschäften.
In den seltensten Fällen haben die Verkäufer eine Fachausbildung für Exoten. Ihnen fehlt das Wissen übe die natürlichen Lebensräume, das Sozialverhalten in den angestammten Gruppen, Familienverbänden oder Rudeln, die charakterlichen und instinktiven Veränderungen, die nach der sexuellen Reife auftreten. Da sie jedoch so klein, niedlich und verspielt sind, lassen sie sich leicht verkaufen, ohne daß der Kunde auf die Gefahren, verbunden mit dem Erwachsenwerden des Tieres hingewiesen wird. Zuhause merkt man, daß das erworbene Tier für eine Wohnungshaltung ungeeignet ist: Es beschädigt sämtliche Möbel und Dekorationen, ebenso verrichtet es seine Notdurft, wo es geht und steht. Um das Tier doch noch behalten zu können, steckt man es schließlich völlig entnervt in einen Käfig. Spätestens hier fängt die Tragödie an. Platzmangel, falsche Ernährung, Mangel an Zuwendung, Geschlechtsreife, durch künstliche Beleuchtung der Wohnung gestörter biologischer Tages- und Nachtrhythmus führen zu einem enormen Stau von Aggressionen, die sich entladen, indem ein Familienmitglied oder ein Besucher gebissen wird. Dann kommt der große Streit: "Der Affe muß weg!" Aber wohin?!
Die Zoos wollen diese Affen nicht haben, weil sie in einer Gruppe nicht mehr resozialisierbar sind. Die Abgabe in Tierheimen, die sich dann mit den verhaltensgestörten und kranken Tieren abplagen müssen, ist oft der einzige Weg.
Liebe Tierfreunde, bitte, schaffen Sie sich keine exotischen Tiere an!
Bei sinkender Nachfrage werden die Händler arbeitslos.
Unsere Javamännchen Sammy und Anton haben in ihrer Gefangenschaft eine Odyssee der Qualen durchleiden müssen, bevor sie zu uns kamen. Bis heute lassen sich beide nicht anfassen. Wir respektieren diesen Wunsch. Ein unbefangenes Spielen, wie es in Gruppen freilebender Affen zu beobachten ist, haben wir bei ihnen nie gesehen. In den Jahren, die sie bei uns verbrachten, konnten wir eine Basis an Vertrauen schafffen, die zu Entspannung, Ruhe und Frieden unter den Tieren geführt hat.
Susanne Häger
Editorial
In unserem Hause wohnt das Gestern-
- nicht nur in bezug auf, sondern auch in der Bedeutung des früheren Lebens: Mensch mit Tier in einem Haus - ohne daß man Allergien oder Sterilität kannte. Gestern bedeutet: unsere Türen öffnen und den Ursprung des irdischen Daseins eintreten lassen, den Ursprung der Schöpfungsidee, den Sinn der Erschaffung unseres Planeten, mit seinen Pflanzen, Tieren und zuletzt der Schaffung des Menschen in Erinnerung auferstehen lassen.
Gott schläft im Stein,
atmet in der Pflanze
träumt im Tier,
und kommt zu Bewußtsein
im Menschen.
Emmas Geschichte im Gedicht
Wer Emma nicht kennt, der hat was versäumt,
kommt man zu früh am Morgen, sitzt sie da und träumt. So ganz ist sie wohl noch nicht erwacht oder sie hatte 'ne schlechte Nacht.
An die Heizung rückt sie dann erst mal ran, wo man die Pfoten schön wärmen kann, dann kommt der Kopf, dann der Popo jetzt geht's ihr besser, ab, aufs Klo.
Das ist die Gehegeecke, natürlich innen, und schon beginnt es, herabzurinnen.
Hockst du gerade und säuberst die Katzenwanne hast du
Kaum sitzt du im Sessel; geht s los mit dem Lausen und sie fängt an, dir die Haare zu zausen. (Doch sie wird nicht fündig, Pech für sie, also runter und Hosenbeine hoch bis zum Knie. (Da gibt es .Haare, ganz feine am Bein, die müßten doch rauszuzupfen sein?
Doch dann sieht sie Marianne mit der Saftflasche kommen. Der Inhalt wird erstmal zur Brust genommen, die Flasche wird dann an die Wandgekracht! Na ja, mit Wodkagläsern hat man's auch so gemacht.
Auf dem Tisch liegt ein Ding, das kennt sie noch nicht
wäre ein schönes Spielzeug für mich; denkt sich Emma, und gar nicht dumm, zupft sie an der Tischdecke 'rum
und prokelt und zieht durch die Gitter sie rein, Schwupp, hat sie das (Ding Irmas ist erstmal mein Marianne und Susanne könn ´s mal wieder nicht fassen.
Ja, auch Kugelschreiber darf man in Emmas Nähe nicht lassen. Und wieder ist ein Gegenstand hin, denn Zurückgeben ist bei Emma nicht drin. Er wird untersucht, von allen Seiten betrachtet und mit den Fingern genau begutachtet, dann wird er berochen und schön besabbert und in seine Einzelteile zerknabbert. Das war`s. Der Schreiber ist zwar hin, aber Emma hatte Freude, und wie. Ach so, das hab' ich ganz vergessen zu sagen, 'Emma" ist einer der Affen in Echternhagen.