Familie Noth und ihr Boryslavek (Geschichte einer Patenschaft)
Boryslavek
Es war einmal ... an einem wunderschönen Frühlingstag im Jahre 1992 stand Familie Noth vor der Pforte des "Franziskushofes". Welch eine Freude für den kranken Boryslavek ... !Welch ein Geschenk für die Tiere unseres Hauses!
Freude - das war im traurigen Leben von Boryslavek ein fremdes Gefühl. Geboren auf einem Bauernhof lebte er zusammen mit seiner Schwester Katja (die zu uns mit 5 abgemagerten Katzenbabies gebracht wurde) und Bruder Stanislav(für den auch unsere Tierärzte nichts mehr tun konnten) und fühlte nur eines: die verzweifelte Suche nach etwas Essbarem. Um nach Mäusen zu jagen war er zu schwach. Gefüttert wurden sie selten, und wenn, dann nur mit schlecht gewordenen Schweineschwarten. Alle drei Geschwister waren bis auf die Knochen abgemagert. Zu allem Unglück kamen kalte, regnerische Tage. Das Ankämpfen gegen alle Krankheiten und Fieber hatten sie längst aufgegeben. Auf Katja kamen auch noch Muttersorgen zu. Durch die Ausgezehrtheit verlor sie fast vollkommen ihre Milch und konnte ihre Babies nicht mehr ernähren.
Eine Wende in ihrem Leben trat ein, als die Nachbarn, entsetzt über die äußere Erscheinung der Katzen, den "Franziskushof" alarmierten. Alle drei Geschwister und die fünf Babies wurden in Quarantänen aufgenommen. Eine sofortige Konsultation beim Tierarzt - Spritzen, Betropfung, Medikamente, gutes Essen und die lang ersehnte Wärme auf einem elektrischen Heizkissen. Boryslavek's Ohren eiterten, Würmer krochen in Scharen die Hinterbeine entlang, daraus resultierender Durchfall. Sein ganzes Hinterteil war mit Kot verkrustet, was eine Katze auch seelisch belastet, denn es sind von Natur aus saubere Tiere, aber wenn man schwach, krank und hungrig ist, dann fehlt auch die Kraft zur Selbst-Pflege.
Ein Leben, um nur am Rande des Überlebens zu balancieren, ist wie eine ungerechte, nicht verdiente Strafe, dachte Boryslavek. Trotz seines starken Schnupfens nahm er nach ein paar Tagen zu. Das Fieber verschwand, seine riesengroßen, traurigen Augen schauten uns voller Liebe und Dankbarkeit an. Sie fesselten jeden Besucher zu längerem Verbleiben. Menschenhände streckten sich wie von einem Magnet angezogen. Seine Augen waren wie Anklage und Verzeihung zugleich; die, die in sie schauten, empfanden
Scham für sein Leid, für die Gleichgültigkeit derer, die auf ihren Bauernhöfen nur die Tiere füttern, die einen finanziellen Nutzen bringen. Kastrationen, Betreuung oder ein Tierarztbesuch, um dem Elend Grenzen zu setzen, stößt bei vielen Landwirten auf eine Mauer des Unverständnisses und der Abwehr.
Seine Augen erwärmten die Herzen
von Familie Noth; somit fing eine große Freundschaft an. Gerne hätten sie, ihren Patenkater zu sich in ihr großes Haus mitgenommen, aber sein Katzenschnupfen hätte die Gesundheit der bereits im Haus lebenden Katze gefährdet. Familie Noth fand eine Lösung. Man machte viele Reisen aus dem Extertal ins Kalletal. Und was für Reisen das waren, mit vielen Töpfchen voller Leckereien, von gekochter Leber bis hin zu Rindertartar! Alles katzengerecht frisch und lecker klein geschnitten. Boryslavek's Sternstunden! Endlich war er der Mittelpunkt. Es gab eine Patenfamilie, die ihn liebte, streichelte, mit ihm sprach. Es war so erholend gut zu wissen, dass, obwohl nicht viel Hoffnung auf eine Genesung bestand, man umsorgt war und richtig gemütlich
hatte. Familie Noth blieb immer sehr lange, so dass auch alle anderen Bewohner des Hauses mit vielen Leckereien bewirtet wurden. Viele Streicheleinheiten verteilte Frau Noth mit ihrem Mann, wohltuende Berührungen, die den Tieren das Vertrauen zum Menschen wiedergaben. Auch Susanne Häger und ich wurden mit selbst gemachter Konfitüre beglückt .Jeder angekündigte Besuch von Familie Noth wurde schon mit Wohlbehagen und Freude erwartet, denn ihre Aufenthalte gaben den Tieren viel, aber in erster Linie uns das Gefühl, nicht allein zu stehen, wenn eine Katze sich dem Ende ihres Erdendaseins nähert. Eine Katze wie Boryslavek, den jeder ins Herz geschlossen hatte, dessen Augen noch Wochen nach seinem Tod in unsere Herzen schauten.
An einem Samstag verschlechterte sich der Zustand von Boryslavek. Wir riefen Frau Noth an.Sie kamen beide. Inzwischen waren wir beim Tierarzt, der noch ein paar Spritzen gab, weil eine schwere Bronchitis hinzukam. Familie Noth nahm lange Abschied von ihrem Kater, der, obwohl schwer krank, dankbar schnurrte. Und schnurrend schlief er um fünf Uhr in den Morgenstunden in meinen Armen ein. Familie Noth hat ihren Boryslavek bei sich im Garten in einem Rosenbeet begraben. Sie wollten ihn in ihrer Nähe wissen. Viele Tränen sind geflossen. Sein Leben war schwer, ohne Freude. Wir sind jedoch dankbar, dass wenigstens seine letzten Wochen in Würde und Liebe bei uns vergehen konnten. Ein Abschied, der auf Verzeihung hofft für das, was man Tieren antut. Und Beschämung unsererseits zugleich, dass es so wenig ist, weil das Desinteresse des größten Teils der Menschheit zu solchen Schicksalen den Weg freimacht. Wenn jeder mehr über den Zaun seines eigenen Lebens schauen würde, wäre Boryslavek noch unter uns.
Nur Katja ist gesund geworden. Ihre Babies sind gut vermittelt worden, und sie selbst wartet noch auf ein neues Zuhause.
Lind obwohl Boryslavek nicht mehr da ist, kommt Familie Noth jeden Samstag für
drei bis vier Stunden mit gekochten Leckereien.Die Tiere kennen schon ganz genau ihre Stimmen. Es ist ein Bild für die Götter, wenn Familie Noth voranschreitet,und hinter ihnen unzählige Katzen wie bei einer Prozession.Alle werden mit Namen benannt und gestreichelt. Sogar der 19-jährige Samson, dem chronische Mund¬
schwüre zeitweise das Essen erschweren, frisst immer von ihren Händen. Herr Noth ist uns handwerklich behilflich, bringt Bretter an, repariert, montierte das Schild 'Franziskushof" an der Eingangspforte. Beide gehören fest zur "Franziskushof" Familie, und während sie zur Kur waren, fehlten sie uns und den Tieren sehr, Sie kamen zu uns mit dem Frühling, und bringen weiterhin bei jedem Besuch Frühling in unsere Herzen.
GOTT SCHÜTZT DIE VERENDETEN
Sie waren in der Welt wie wir.
Sie teilten mit uns Zeit und Bro. Uns nennt man Mensch, sie nennt man Tier.
Was soll der Name: wir sind vier. Wir waren vier. Jetzt sind sie tot.
Ihr Leben war ein knapper Traum voll Grazie, Zärtlichkeit und Charm Ihr Fell ein seidenweicher Flaum. Das Dunkel riss sie ohne Not.
Gott soll sie trösten stumm und warm. Wir waren vier; jetzt sind wir arm. Gott wird sie schützen: sie sind tot.
(Margot Stiller)
Victoria-Mutter von Berufs wegen
Jedes Jahr muß man sich im "Franziskushof" von vielen Tieren verabschieden. Viele von ihnen sind nur kurz bei uns (sei es durch eine Vermittlung in gute Hände oder durch den Tod bei schwerkranken Tieren),so daß sie für mich, die ich nicht täglich dort bin, nicht die Möglichkeit haben, zu einer Persönlichkeit zu werden, die auch nach ihrem Abschied noch lange "präsent" bleibt. Viel zu oft verdrängt man wohl die Trauer um diese Tiere hinter all den täglichen Arbeiten, die trotz allem nicht liegen bleiben können.
Manchmal aber gibt es auch Tiere, an die man sehr oft zurückdenkt. So geht es mir mit "Victoria".
1992 kam sie aus Portugal zu uns, wo sie sicher schon einiges hinter sich hatte. Unförmig, wie sie war - eine kräftige Katze mit viel zu kurzen Beinen und einem kleinen, dünnen Rattenschwänzchen - konnte sie nur durch ihr hübsches dreifar¬biges Fell bestechen. Aber das war wohl nicht ausreichend, denn nie interessierte sich jemand für sie. Zu erwähnen ist natürlich auch ihre ungünstig kräftige Stimme und ihre extreme "Gesprächigkeit", was sich in dieser Ausprägung auch nicht unbedingt als Pluspunkt darstellte.
Ihre große Stunde kam, als wir im Dezember 1992 41 (meist kranke) Katzen aus Riesa bei Dresden holten, darunter sehr viele Baby's und Jungtiere.
"Victoria" adoptierte sie alle, so daß sie gefahrlos zwischen der großen Katzen¬schar herumtoben konnten. "Victoria" bewachte die Futterschüssel, damit die Kleinen in Ruhe fressen konnten, sie baute Nester für die ganz Kleinen, rief sie zu sich, wärmte und leckte sie. Und sie wurde zur Furie, wenn ein anderes Tier in die Nähe "ihrer" Kinder kam.
Wurden die Kleinen größer, ließ sie es auch dann nicht an der mütterlichen Strenge fehlen.
So haben wir im "Franziskushof" das Gelingen der Erziehung einer ganzen Katzen¬generation "Victoria" zu verdanken.
Leider starb sie Anfang 1993 an Leberkrebs. Obwohl ich nie eine engere Beziehung zu dieser Katze hatte, denke ich sehr oft an sie. Gerade jetzt, wo wieder viele Jungkatzen den "Franziskushof" heimsuchen, wird deutlich, wie viel von unserer Ar¬beit "Victoria" für uns übernommen hatte und wie viel natürlicher ihre Kinder aufwuchsen.
Für mich hinterließ sie ein großes Loch in unserer Katzenschar.
(verfaßt von Alexandra Huxoll aus Dörentrup)
AN "VICTORIA"
Die Erinnerung breitet ihre Flügel aus...
Katzenbabys wiegen sich in Deinem Fell nicht mehr.
Aber mich wiegt
die Erinnerung an Dein Schnurren in die Nacht...
Marianne Danyluk
Haben Tiere eine Seele?
Schon lange wollte ich zu dieser mir oft gestellten Frage Stellung nehmen, nur leider blieb mir wegen der Basisarbeit mit den Tieren sehr wenig Zeit, um meine Gedanken und Überzeugungen zu Papier bringen zu können und an Interessier¬te weiterzureichen. Dank meiner Mutter und unserer ehrenamtlicher Helfer, die mir einen Teil der körperlichen Arbeit abnahmen, kann ich mich heute mit "Seelen¬wissenschaften" befassen und gegen die Meinung der Widersacher behaupten JA - TIERE HABEN GENAUSO WIE MENSCHEN EINE SEELE!
Im Laufe meines Gedankenaustausches, lieber Leser, werde ich, um mit meiner Meinung nicht alleine stehen zu bleiben, große Heilige, Denker, Philosophen und Forscher zitieren, die seit Menschengedenken ebenso der Überzeugung waren, dass alles, was lebt und atmet, beseelt ist und in ihren Schriften meinten, dass hinter der körperlichen Form jeden Wesens ein feiner geistiger "Mechanismus" sich ver¬birgt.
Charles Robert Richet (ein großer Mediziner, der den Nobelpreis für Physiologie erhielt) schrieb folgendes: "Die Metaphysik ist noch keine öffentlich anerkannte Wissenschaft, wird es aber dereinst sein...In Edinburgh wagte ich vor hundert Physiologen die Behauptung, dass unsere fünf Sinne nicht die einzigen Erkennt¬niswerkzeuge sind und dass unsere Intelligenz auch auf anderen Wegen Bruchteile der Wahrheit empfängt...Dass eine Tatsache selten ist, berechtigt noch lange nicht zu der Annahme, dass sie nicht existiert. Soll man ein Sachgebiet etwa des¬halb nicht studieren, weil es schwierig ist?.. Diejenigen, die die okkulte Wissen¬schaft der Metaphysik verspotten, werden dereinst genauso beschämt sein wie diejenigen, die über Chemie lästerten und behaupteten, dass jedes Forschen nach dem Stein der Weisen illusorisch sei..."
"Aus Freude bin ich gekommen,
Aus Freude will ich leben,
In heilige Freude gehe ich wieder ein.
Geistmeer bin ich, das alle Wellen der Schöpfung trinkt. Erde und Wasser, Dampf und Licht - Die vier dichten Schleier - Lösen sich auf.
Ich selbst bin in allen Dingen
Und verschmelze mit meinem Großen Selbst.
Die launischen Schatten menschlichen Denkens, Für immer sind sie entschwunden, Ungetrübt ist mein geistiger Himmel Unter mir, vor mir, hoch über mir;
Ich und die Ewigkeit - ein vereinigter Strahl! Ich selbst, eine winzige Welle des Lachens, Werde zum Meer aller Seligkeit! yoganada
In der Wiege unserer Zeit strebten die Menschen nicht den Alleingang, nicht
den Individualismus an. Überlebenschancen hatten sie nur in einer Gruppe, in einer Gemeinschaft, im Kreis einer Sippe. Die Anforderungen der Alten und der Weisen an die jüngeren Mitglieder der Gemeinschaft in Bezug auf Heiligkeit der Natur und geistig traditionelle Werte waren sehr hoch. Freiwillige Gruppendisziplin, Pflichtbewusstsein der Sippe gegenüber, Selbstlosigkeit im Befolgen der Natur¬gesetze oder im Kampf mit den Naturkatastrophen, Opferbereitschaft waren von Generation zu Generation weitergegebene Werte, die den Menschen das Überleben
sicherten, den Tieren ein Nebeneinander mit Menschen ermöglichte. Auf ebenso
hohem Niveau war der Kontakt : Mensch - Natur, in dem sich Hoheit und der Tiefen sinn des Lebens spiegelten. Dass Jahrhunderttausende über solch eine Spiritualität erhalten blieb, veranlasste den zivilisierten Menschen nicht, es als Vermächtnis des Geistes der vergangenen Zeiten als Wissen zu übernehmen, vernünftig zu nutzen und an weitere zukünftige Generationen zu reichen, sondern veranlasste ihn, es ohne Rücksicht auf Jene, bedingungslos auszubeuten. Der technische Fortschritt verdrängte unsere geistigen und spirituellen Fähigkeiten Das Haben, das Besitzen wollen von materiellen Errungenschaften ließ keinen Platz und keine Zeit für übersinnliche Empfindungen, die wir alle einst besaßen, für Gedankengut wie zum Beispiel verdische Gedanken, über die Emerson folgt schrieb:
"Es ist so erhaben wie das Feuer, wie die Nacht oder wie ein windstilles Meer. Es enthält jede erdenklichen religiösen Empfindungen und die erhabenen Sittenlehren, die man in jeder großen Dichtung findet...
Es nützt nichts, das Buch beiseite zu legen; selbst wenn ich mich nur dem Wald oder dem Boot auf dem Wasser anheim gebe, so macht die Natur sogleich einen Brahmanen aus mir. Ewige Notwendigkeit, ewiger Ausgleich, unergründliche Macht, ungebrochenes Schweigen ... das ist ihr Glaubensbekenntnis. Sie sagt mir, daß Frieden und Reinheit und vollkommene Selbstaufgabe die Universalmittel sind, die uns von aller Sünde erlösen und uns in die Seligkeit Gottes heimführen."
Das Wort "Seele", was bedeutet es in verschiedenen Kulturen und Religionen? Im christlichen Raum, in Latein, "Anima" - "Seele", und das Tier heißt "animal". Hierzu schreibt Werner Hartinger: "Das Wort "Tier" stammt aus dem alten indo¬germanischen Sprachschatz. Es bedeutet "atmendes Wesen", und seit alters her hat das Germanentum jedem atmendem Wesen eine Seele zuerkannt. Dieser Besitzstand wäre von der Bibel neben zahlreichen anderen Stellen auch in Sprüche 12,10 be¬stätigt worden, wenn Luther genauer übersetzt hätte. Die sinngemäße und korrekte Wiedergabe dieser Stelle aus der aramäischen Urschrift müsste lauten: "Der Ge¬rechte kennt die Seele seines Viehes (oder: hat Verständnis für das Verlangen seines Viehes, oder weiß, wie seinem Vieh zumute ist),aber das Erbarmen der Frevler ist grausam (oder: sie sind sogar im Erbarmen grausam)".Auch der Pyta¬goreer, Platon und die Aristoteliker erkannten sowohl dem Menschen als auch dem Tier eine unsterbliche Seele zu und es ist kein Grund ersichtlich, warum dies heute nicht mehr so sein sollte. Erst die Römer würdigten es zu einer Sache he¬rab. Diese soziale Neueinstufung führte zu einer grundsätzlichen veränderten Einstellung des Menschen zum Tier. Da Gott das Leben über die Seele steuert und erhält, ist jede Lebensform die irdische Manifestation des Allmächtigen. Alle bilden eine Einheit und ihre Zerstörung ist eine Gotteslästerung. Deshalb das fünfte Gebot:Du sollst nicht töten!
Es ist eine sophistische Einstellung zu behaupten, daß sich dieses Gebot nur
auf das Töten von Menschen bezieht. Die Propagandisten dieser Auffassung zur Rechtfertigung quälender und tödlicher Verwertung unserer Mitgeschöpfe müssen sich sagen lassen, dass sie weit vom christlichen Weg abgekommen sind und dieses Gebot selbst gegenüber ihren Mitmenschen nicht befolgen. Sie billigen und befür¬worten dessen millionenfache Übertretung im Krieg mit fadenscheinigen und meist wirtschaftlichen Begründungen und enthielten sich nicht, kriegerisches Zerstö¬rungsmaterial zu segnen. Jedes Leben ist eine göttlich-geistige Kraft und damit heilig. Bereits Buddha predigte vor zwei- bis dreitausend Jahren das Mitleid als Vorstufe einer christlichen Liebe zur Schöpfung und zeigte auf, daß die Opferung der Tiere falsch ist. Sie bewirkte keine Entsündigung und Lossprechung des Menschen, sondern das Gegenteil. Wegen dieser Praktiken alleine steht der Mensch seit urdenklichen Zeiten tief in der Schuld unserer Mitgeschöpfe und Christus erklärte deshalb eindeutig: Ich bin gekommen, um die Tieropfer abzu¬schaffen! So Hartinger.
Weil der Mensch dem Tier im Laufe seiner eigenen verfehlten Entwicklung die Seele abgesprochen hat und sein ganzes Tun der Individualisierung, die zur Großstadteinsamkeit ihn hinführte, dem technischen Fortschritt widmete, verlor er die Liebe zu der Gemeinschaft, das sich im Alter Geborgen- und Behütet fühlen im Kreis seiner Sippe. Daraus resultierende Altenaufbewahrungsanstalten, anonyme Krankenhäuser, steril und sauber gehaltene Wohnungen, wo Großfamilie und Tiere keinen Platz mehr haben.
Buddha wurde einst gefragt, warum man alle Menschen gleich lieben sollte:
"Weil jedes Wesen (irgendwann einmal in irgendeiner tierischen oder menschli¬chen Form) einem jeden von uns nahe gestanden hat" - erwiderte der große Lehrer.Die Isa-Upanishad formt denselben Gedanken so aus:
"Derjenige,der alle Wesen in seinem eigenen Selbst und sich selbst in allen Wesen sieht, kann niemandem ein Leid zufügen."
Wer sich Zeit genommen hat und einmal in sein Innen schaute und dort das, was uns erfasst, erblickte, der wird ohne Entsetzen und ohne Scham in die mit Schmerz und Leid erfüllten Augen eines Versuchstieres nicht blicken können.
Vieles, was in den Regalen unserer Geschäfte ordentlich und säuberlich aufge¬stapelt liegt, entstand aus dem Leid unserer Mitgeschöpfe, ob es Kosmetika, Rei¬nigungsmittel, Medikamente und vieles andere ist. Wie gedankenlos füllen sich die Einkaufskörbe, auch derer, die sich Tierfreunde nennen. Indem diese Produkte ge¬kauft werden, fördert man die Laboratorien zum weiteren Forschen, und die Seelen der Tiere schreien stumm in die Taubheit unserer Ohren hinein.
Am Abendmahl vor seinem Tod gab Jesus Christus nochmals die eindringliche An¬weisung:
"Wahrlich, ich sage Euch, darum bin ich in die Welt gekommen, daß ich alle Blut¬opfer und das Essen vom Fleisch der Tiere und den Vögeln abschaffe. Am Anfang gab Gott allen die Früchte der Bäume und die Saaten und die Kräuter zur Nahrung, doch die, die sich mehr liebten als Gott, verdarben ihre Sitte, schufen Krankheiten für ihre Körper und füllten die Erde mit Begierden und Gewalttätigkeiten. Nicht durch das Vergießen von unschuldigem Blut, sondern durch ein frommes Leben werdet ihr den Frieden Gottes finden. Ihr nennt mich Christus und Ihr sprecht wahr; denn ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Tuet niemandem, was Ihr nicht wollt, das man Euch antue. Gesegnet seien, die dieses Gebot erfüllen, denn Gott ist in allen Geschöpfen offenbar. Alle Geschöpfe leben in Gott und Gott ist in ihnen verborgen."
Oft fragt man, warum Gott zulässt, dass Menschen und Tiere so leiden müssen. Pus¬padanta, ein indischer Heiliger und Schiwa-Anhänger, klagt in seiner Hymne(nach der englischen Fassung von Arthur Avalon) wie folgt:
"Durch das Stampfen Deiner Füsse
Wurde die Erde plötzlich gefährdet;
Durch das Schwingen Deiner Arme, die hart wie Eisenstäbe sind, Wurden die Sterne im Äther zerstreut; Von Deinen losen Haaren gepeitscht Begannen die Himmel zu beben.
Wahrlich - Dein Tanz war atemberaubend!
Doch die Welten in Aufruhr zu bringen, um sie zu retten, Welch ein Mysterium ist das?"
Dann aber endet der Dichter mit folgenden Worten:
"Groß ist der Unterschied zwischen meinem Geist, Der nur wenig weiß und dem Schmerz unterliegt, Und Deiner immerwährenden Herrlichkeit, Die alle Vorstellungen übersteigt."
Indem Gott alle Lebewesen beseelte und ihnen damit das Leben einverleibte, stellte Er es gleich. Wie soll man glauben, daß sie keine Seele haben, wo so viele Menschen, nicht nur in Kriegszeiten, gerade ihnen das eigene Überleben verdan¬ken?
In einer ARD-Sendung, "Einfach unglaublich", erzählte eine Familie, wie viel sie
Ihrem Hund zu verdanken hatten. Der Hund wurde schwer krank in einem Graben ge¬funden und von der Familie mit viel Mühe und Unkosten gesund gepflegt. Er erwies sich als ein lieber und anhänglicher Freund und Gefährte. Während einer Reise nach Los Angeles gaben sie ihn für ein paar Tage in Pflege. Auf der Autofahrt gerieten sie im dichten Nebel, als sie "Lucky" rechts vom Auto laufen sahen. Sie hielten an und beobachteten ihn mit einem Stück Holz in der Schnauze, als es vor ihnen zu einer Massenkarambolage mit 21 Toten und 60 Schwerverletzten kam.Zurück, erfuhren sie, daß "Lucky" die ganze Zeit seine Pflegestelle nicht ver¬lassen hatte. Dennoch hatte er ein Stück Holz in seiner Box - wie das an der Autobahn - das die Pflegerin ihm nicht gegeben hatte.(Zitat:Lichtzeichen,Nr.22)
Eine andere Geschichte erzählten mir meine Freunde und Mitglieder Helga und Vladimir Koci aus Böklund. Ihr Pudel war an die Familie sehr gebunden; sie liebten und pflegten ihn bis ins hohe Alter. Viele Jahre teilte er Freude und Trauer und den Alltag mit ihnen. Im Alter kam die Zeit der Krankheiten und der Gebrechlich¬keit. Man gab ihm bis zu seinem Tode viel Wärme und Zuneigung und begrub ihn dann im Garten. Drei Tage nach seinem Tod hörte Vladi (er ist Musiklehrer, und
seine Ohren sind sensibler als die von Helga) lautes Bellen im Hof. Er weckte Helga, die meinte, daß dies doch ihr Hund sei. Das Anwesen ist dicht umzäunt zur Sicherheit der dort lebenden Katzen,so daß das Eindringen von fremden Tieren nicht möglich ist. Beide gingen hinaus auf den Hof und sahen ihren kleinen Pudel in Begleitung eines fremden Hundes. Sie standen nur ein paar Schritte von ihnen entfernt, fröhlich mit den Schwänzchen wedelnd; sie bellten ein paar Minuten lang. Dann verschwanden beide. Helga und Vladi sind beide der Meinung, daß ihr Hund sich auf diese Weise von ihnen verabschiedete und bedankte, als wollte er sagen: Mir geht es hier gut, und der Tod bedeutet nicht Trennung für immer.
Eines der erstaunlichsten Beispiele berichtet Gary Kowalski ("Dein Tier - eine empfindsame Seele"):
"Einer seiner Freunde ,ein Naturforscher, der Vögel sammelte, schoß eine Seeschwal¬be, die ins Meer fiel. Die Gefährten des Vogels umkreisten ihn und demonstrier¬ten ihr Mitgefühl, so wie es Seeschwalben und Möwen in solchen Fällen immer tun.
Von seinen Freunden begleitet trieb der verletzte Vogel allmählich der Küste zu, und der Jäger hielt sich bereit, seine Trophäe zu ergreifen. Doch zu seinem äußersten Erstaunen beobachtete er, wie zwei andere Seeschwalben ihre hilflose Gefährtin packten - jeder hielt einen Flügel - aus dem Wasser hoben und see¬wärts trugen. Zwei weitere Vögel folgten ihnen. Dann trugen die beiden sie' weiter, die bisher inaktiv gewesen waren. Auf diese Weise fuhren sie fort, den Vogel ab¬wechselnd zu tragen, bis sie ihn zu einem Felsen in beträchtlicher Entfernung befördert hatten, wo sie ihn sicher absetzten."
Tieraugen sind wie Fenster zur Liebe; sie drücken Gefühle wie Liebe, Freude, An¬dacht, Reue oder Schmerz, Angst, Flehen, Entsetzen oder Drohen aus. Wir haben im "Franziskushof" einen Hund, dem man, bevor er zu uns kam,die Seele verletzt hat.Er ist zum Angstbeißer geworden. Auch ich habe sehr viel Respekt und manchmal auch Angst vor seinem Blick,der mit hypnotischer Gewalt mich ein¬
dringlich warnt, wenn er nicht berührt werden will. "Benny" bellt nicht, er knurrt mich auch nicht an, aber mit seinem Blick verschafft er sich Distanz und Ach¬tung seiner verletzten Würde. Auch unsere Besucher, vor kurzem erst Kerstin Ridder, fühlen, wenn seine Augen einen besonderen Ausdruck bekommen, sich verän¬dern, wenn er vor seiner eigenen Angst, die ihn zur Verteidigung zwingt, ohne daß ihn jemand angreift, warnt.
"Benny" lieben wir sehr, obwohl er zu Gewalttätigkeit neigt. Die Ehrlichkeit
seiner Augen - seiner verletzten Seele - läßt uns trotz der Gefahr in Würde miteinander umgehen und leben. Nur Susanne, die ihn vor dem Verdursten rettete, liebt er sehr; sie darf das alles machen (streicheln, mit ihm spielen, ihn bürsten), vor dem seine ehrlichen Augen andere Menschen warnen.
Alle Tiere sind beseelt, ob Fische oder Vögel - die singenden Seelen,die unsere Ohren mit allen Höhen, Tiefen, langsamen und schnellen Kompositionen erfreuen. Sie können ganze Kompositionen initiieren, nachahmen, Melodien pfeifen.
Elefanten - sie weinen Tränen um ihre Gefährten, und intensiv umsorgen sie sie liebevoll bis zum Tode. Auch sind sie künstlerisch begabt.M.J.Hartmann schreibt in "Lichtzeichen":
"Die Zeichnungen eines mysteriösen Künstlers wurden einem Kunstprofessor vor¬gelegt. 'Diese Zeichnungen sind sehr lyrisch, sehr, sehr schön. Die Energie ist so kompakt und beherzt. Es ist einfach unglaublich. 'Einzelne Zeichnungen hob er
noch besonders hervor. Noch unglaublicher muß es ihm erschienen sein, als er er¬fuhr, daß der Künstler "Siri" hieß und eine vierzehn Jahre alte Elefantendame war, die im Zoo von Syrahus lebte. Ihr Wärter hatte bemerkt, wie sie mit Stöcken und Steinen Linien in den Staub zeichnete und ihr daraufhin Papierblöcke und Holzkohle gegeben."
Nicht nur Elefanten malen, auch unser Kapuzineräffchen "Grete" liebt alle Arten von Kugelschreibern. und Stiften und Papier. Sie zeichnet, indem sie mit beiden Händen den Bleistift hält. "Grete" Kann sogar, Kreise_ malen, kleine und große, und darauf Striche. Angetan haben es ihr die roten Stifte. Ihre Bilder sind sehr in¬tensiv abstrakt und impulsiv. Nur ein beseeltes Wesen kann derartige Kunstwerke zustande bringen.
Mit Seele bezeichnet man das, was uns fühlen, denken, leben läßt - Seele bedeutet lernfähig zu sein, sich entwickeln, geistig zu wachsen. Auch Tiere durchlaufen hier auf Erden diesen Prozeß. Sie stehen vielleicht derzeit auf einer anderen Stufe der geistigen Evolution.Von Tieren lernen wir immer noch sehr viel, also sind auch sie Förderer unserer Seelenentwicklung. So sollten auch wir ihnen die Welt, in der wir leben, zugestehen und bewahren. Hartmann drückt es folgendermaßen aus:
"Tiere sind lebende Seelen wie wir. Sie sind keine Dinge. Sie sind keine Objekte. Sie. sind auch keine Menschen. Dennoch trauern sie. Sie tanzen. Sie leiden. Sie kennen die Höhen und Tiefen des Daseins. Tiere sind ein Ausdruck des großen Geistes, der unser Universum durchflutet. Wir teilen mit ihnen die Gaben des Lebens und des Bewußtseins. Darum ist Gott auf wunderbare Weise in allen Kreatu¬ren gegenwärtig."
Da das ganze Weltall auf dem Fundament der Wahrheit ruht, wird von allen heili¬gen Schriften diese Tugend hervorgehoben. Sie ermöglicht uns, unser Leben mit dem Unendlichen in Einklang zu bringen. Aber zerstörte, verletzte Menschen- und Tierseelen können keinen Einklang erzeugen.
Mahatma Gandhi sagte: "Wahrheit ist Gott" - wie weit sind wir von Gott entfernt, wenn wir Leid und Schmerz anderer Menschen und Tiere zulassen. Solch eine Wahr¬heit, die wir lebten und leben, wurde zur Lüge an Mensch, Tier, Natur und Universum.
Ob ein Schiff der Rückkehr am Horizont uns wieder in eine Gemeinschaft führen kann?
Francis Thompson schrieb in "Der himmlische Jagdhund":
"Die Stimme, die mich rings umgibt,
Ist wie ein brausend Meer:
Ist Dir die Erde so verleidet, In Scherben gar zersprungen? Sieh, alle Dinge fliehen Dich, Wenn Du Mich fliehst! Was ich Dir je genommen,
Ich nahm es nicht, um Dich zu kränken; Nur darum, daß Du's suchen sollst In Meinen Armen.
All das, was Du, mein Kind,
In Deinem Irrtum als verloren glaubst, Ich hab' es aufbewahrt für Dich daheim. Steh auf! Faß Meine Hand und komm."
ICH HABE EINEN TRAUM:
Schau in die Augen jedes Tieres, dem du begegnest,
erblicke die Seele die dich anschaut, frage dich, aus was für einem Grund soll sie leiden?
Augen sind wie Fenster zur Liebe, schau in sie, und dir begegnet: Achtung vor der Grenzenlosigkeit des Wunders des Universums, die sich einst auch in den Augen aller Wesen spiegelte.
Unsere trüben Augen sehen nicht mehr,
unser Geruchssinn hat keine Sehnsucht nach blühenden Wiesen mehr, unsere Haare wiegt kein Meereswind mehr. Uns umgeben:
Schmutzige Betonstädte,an denen kein Auge ruhen kann.
Wir hören nur das Geräusch der Motoren und Musik aus der Box. Wir riechen Abgase und Abfälle,
und der Wind bringt eine Brise Erdöl,mit dem dein Haar verklebt.
ICH HABE EINEN TRAUM:
Suche,lieber Leser,die uns verbliebenen Wiesen und Wälder auf,laß Gottes Schöpfung sich in deinen Augen spiegeln.
Fühle den Atem des Frühlingswindes in deinem Gesicht.
Höre auf die melodisch summenden Stimmen der Tiere.
Lehne deine Schulter an die atmende schwarze Erde und laß dein Herz erbeben. Wenn es viele tun,sich besinnen,dann wird ein Traum Wirklichkeit.Und spätere Generationen werden auch den blauen Himmel preisen können.
"Wo der Geist ohne Furcht ist und man das Haupt erhoben trägt, Wo man das Wissen frei verschenkt,
Wo die Welt nicht durch enge Grenzen zerstückelt wird,
Wo die Worte dem Quellengrund der Wahrheit entspringen,
Wo die Hände in unermüdlichem Streben nach der Vollendung greifen,
Wo der klare Strom der Vernunft nicht im Wüstensand trockener Gewohnheit ver¬siegt,
Wo Du den Geist zu immer edlerem Denken und Handeln bewegst,
In diesem Himmel der Freiheit,o Vater,lasse mein Land erwachen."
Rabindranath Tagore
Marianne Dannyluk
Literatur:
"Lichtzeichen",Heft Nr.22
Gary Kowalski,"Dein Tier-eine empfindsame Seele"
Liobani,"Du,das Tier - Du,der Mensch"
Paramahansa Yoganada,"Autobiographie eines Yogi"
Dr.med.Werner Hartinger,"Christentum und Tierschutz" und "Seelenrätsel".