Kutscher prügelt vier Stunden sein sterbendes Pferd
Tierdrama in Rothenburg: Todeskampf von "Boss" dauert vier Stunden
VON JÖRG VÖLKERLING Rothenburg o.d. Tauber - Ein Pferdedrama erschüttert die weltberühmte Stadt Rothenburg ob der Tauber (Kreis Ansbach): Vor den Augen vieler Touristen brach am Sonntagnachmittag ein betagtes Pferd zusammen, das eine Kutsche durchs mittelalterliche Zentrum gezogen hatte. Sie wurden Zeugen eines unbarmherzigen vierstündigen Todeskampfes.
Die Gäste eines Ausflugslokales mussten zusehen, wie der Kutscher mit Beschimpfungen, Tritten und Schlägen versuchte, das Tier wieder auf die Beine zu bringen. Vergebens: Nach vierstündigem Todeskampf gab ein Tierarzt dem Wallach "Boss" die erlösende Spritze und schläferte ihn ein.
Das Pferd war nach Angaben seines Besitzers, des 71-jährigen Werner E., 22 Jahre alt. Das entspricht einem Menschen im Alter von 66 Jahren.
Tierarzt Dr. Martin E. (53) kritisiert: Ein Pferd in diesem Alter noch eine Kutsche ziehen zu lassen, sei eigentlich nicht üblich. Noch schlimmer findet er aber den Umgang mit dem Tier nach dem Zusammenbruch: Wenn ein Tier offenbar einen Herzinfarkt hat, kann es nicht wieder aufstehen. Dann muss es möglichst innerhalb einer Stunde eingeschläfert werden.
Doch Besitzer Werner E. ließ erst einmal einen Traktor mit Frontlader kommen, um "Boss" wieder auf die Beine zu kriegen. "Der hat öfter solche Marotten, sich einfach hinzusetzen", soll er als Begründung gesagt haben. Doch diesmal war es keine der Marotten: "Boss" konnte einfach nicht mehr.
Während des langen Sterbens des Tieres konnten die Passanten den Anblick nicht mehr ertragen. sie schrieen, sie schimpften, die Kinder weinten. Die Polizei kam, wurde damit vertröstet, dass ja der Tierarzt bereits alarmiert sei. Besitzer E. beschwichtigte später: "Boss ist wohl am Pflaster hängen geblieben und hat sich verletzt."
Nach den Berichten über den Umgang mit dem Pferd äußerten sich die Verantwortlichen in Rothenburg äußerst schockiert. Karlheinz Schneider, Vorsitzender des Verkehrsvereins: "Es kann nicht sein, dass Pferde so lange getrieben werden, bis sie zusammenbrechen." Oberbürgermeister Herbert Hachtel (64) findet: "Das war das Tüpfelchen auf dem i." In der Vergangenheit hatte es immer wieder Ärger mit den insgesamt 17 Kutschen gegeben. Die Fahrer kämpften auch mit Fäusten um die besten Standplätze, bewarfen sich mit Pferdeäpfeln. Der Oberbü,rgermeister will jetzt über eine Gesetzesänderung die Zahl der Kutschen verringern.
Tierschützer fordern Strafe
Verfahren gegen Pferdeprügler soll neu gestartet werden
ROTHENBURG (Eig. Ber. / wdn) - Der Tod eines Kutschpferdes in Rothenburg
beschäftigt weiter die Justiz: Der Deutsche Tierschutzbund mit Sitz in Bonn
hat jetzt offiziell Beschwerde gegen die Einstellung eines
Ermittlungsverfahrens erhoben.
Bei der Generalstaatsanwaltschaft liegen inzwischen acht solche Beschwerden
und weitere drei anonyme Anzeigen vor. Darüber hat die Ermittlungsbehörde
noch nicht entschieden, wie Konrad Beirle, Vertreter des
Generalstaatsanwalts, erklärte.
Die Beschwerden richten sich gegen die Einstellung der Ermittlungen gegen
einen Kutscher, der in der Rothenburger Innenstadt auf ein
zusammengebrochenes Pferd eingetreten und eingeschlagen hatte, um es zum
Aufstehen zu bewegen. Der 22 Jahre alte Wallach war dann erst nach vier
Stunden notgetätet worden.
Die Rechtsabteilung des Deutschen Tierschutzbundes tritt nun der Position
der Staatsanwaltschaft Ansbach entgegen. Diese hatte von einer
strafrechtlichen Verfolgung des Kutschers deshalb abgesehen, weil er in der
Situation "überfordert" gewesen sei. Doch daran hat die
Tierschutzorganisation bei dem "praxiserfahrenen Kutscher" erhebliche
Zweifel. Der Beschuldigte habe aus wirtschaftlichen Gründen das Pferd
geprügelt und dabei den Tatbestand der Rohheit erfüllt. Dem Tier seien durch
die Schläge umso größere Leiden zugefügt worden, weil es als ausgesprochenes
Fluchttier wegen des körperlichen Zusammenbruches der Attacke nicht
ausweichen konnte, argumentieren die Tierschutz-Juristen.
Die Beschwerdeführer bemängeln, dass die Staatsanwaltschaft nicht auf die
"Tierquälerei durch Unterlassen" eingegangen sei: Die erlösende Spritze
hätte nicht erst nach vier Stunden gegeben werden dürfen. Wegen des
öffentlichen Interesses fordert der Tierschutzbund eine Bestrafung des
Täters.
Quelle: NÜRNBERGER NACHRICHTEN
Hier nun eine E-Mail Vorlage:
Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist einfach unglaublich was in ihrer Stadt passiert.
Es ist in Ihrer Verantwortung dafür zu sorgen, dass nicht nur die Kutschen im guten Zustand sind, sondern noch viel mehr das die Pferde, die diese Tag ein Tag aus ziehen müssen, gesund und kräftig sind. Diese Kontrolle scheinen Sie entweder versäumt zu haben, oder nie für nötig gehalten zu haben. Das sollten Sie schleunigst ändern.
Ich fordere Sie hiermit auf, dafür zu sorgen, das Werner Ehnes seine Lizenz entzogen wird und er Tierhalteverbot auf Lebzeiten bekommt.
Gleichfalls sorgen Sie bitte in Zukunft dafür, das die Pferde der anderen Kutscher in regelmäßigen Abständen auf ihren Gesundheitszustand untersucht werden und bei Bedarf sofort eingegriffen wird.
Im Interesse Ihrer Stadt und des Tierschutzes sollten Sie schnellstens die erforderlichen Schritte einleiten, damit sich vielleicht irgend wann mal auch die Touristen mit Verstand in Ihrer Stadt wieder wohl fühlen können.
Ich werde Ihre Stadt nicht vergessen und mich erkundigen ob Sie aus diesem skandalösen Vorfall Ihre Konsequenzen gezogen haben.
Mit freundlichem Gruß
............
Wer gleicher Meinung ist, kann sich diese Mail kopieren und mit eigenen Namen unterschreiben, oder eine eigene Mail verfassen und diese an : stadt@rothenburg.de senden.
Auch besteht die Möglichkeit, in das Gästebuch (www.rothenburg.de) dieser Stadt zu schreiben und so denen zu sagen, was ihr von deren Untätigkeit haltet.